Okay, den Hochzeitlader kann man heutzutage wohl eher als Mischung zwischen Wedding-Planer/Moderator bezeichnen.
Er ist absolut überlebenswichtig, weil er für die nötige Struktur im Ablauf sorgt und dafür, dass es nie fad wird.
Man sollte sich mal umhören, wer ein beliebter, guter und sympatischer Hochzeitlader ist und mit dem dann den Verlauf durchsprechen.
Tipps bekommt man von Leuten, die viel mit Hochzeiten zu tun haben. (z.B. Fotografen und Wirtshäuser ... jedoch nicht einfach reingehen, fragen und dann nicht mit den Leuten ins Geschäft kommen.)
Wir heiraten relativ traditionell... jedoch wird es keine komplette "Bauernhochzeit" - also wir heiraten nicht in Tracht und fangen auch erst Mittags an.
Was aber ein wichtiger Bestandteil ist:
Brautentführung und Weinstüberl
Also irgendwann während der Hochzeit wird die Braut beim Tanz entführt. Von wem, machen Kranzlpaar* und Hochzeitlader aus.
Die Entführung endet meist nur in einer Nebenstube des Wirtshauses manchmal (bei uns in der Region nicht) auch in einem anderen Lokal.
Der Bräutigam wird dann vom Hochzeitlader fürchterlich albern verkleidet (Kopftuch und Taschentuch) und muss weinend seine Frau "suchen". Hat er diese gefunden, muss er sie vom Entführer auslösen (in Form von Weinflaschen). Er bekommt eine Aufgabe gestellt und je nach dem wie oft er sie schafft bzw. eher nicht schafft, muss er "zahlen".
Dann geht das Weinstüberl los. Hier gibt es lustige Trink- und Hochzeitsspielchen. Legendär und Pflicht: Der Jahreskalender... "Und wer im Januar geboren ist, steh auf steh auf steh auf... der nehm sein volles Glas zur Hand und trink es aus bis an den Rand, trink aus, trink aus trink auuus, trink aus trink aus trink aus." und so weiter...
Wer es nicht schafft, muss irgendeinen Schmarrn machen... Diese ganze Gaudi wird vom Hochzeitlader (und evlt. der Musik) moderiert.
Traditionell ist das Weinstüberl vor dem Abendessen.
Jedoch geht der "Trend" dazu, es nach dem Abendessen mit "Open End" (Hochzeit endet wie gesagt spätestens um 1.00) zu machen.
Dann ist die Hochzeitsgesellschaft auch nicht so zerrisssen.
Kranzlpaar
Ein unverheirates Paar aus der Verwandschaft oder dem Freundeskreis, dem das Brautpaar besonders nahe steht.
Bei mir ist es meine Schwester und ihr Freund.
Diese kümmern sich um die Ansteckbüscherl und auch ein bisschen um den Ablauf der ganzen Hochzeit. Wie viel sich ein Kranzlpaar wirklich kümmern muss, weiß ich nicht so genau... Meine Schwester habe ich ziemlich eingespannt... aber das muss denk ich nicht sein!
Das Mahlgeld
Ein Brauch, der außerhalb von Bayern hauptsächlich Kopfschütteln erntet. Wenn man jedoch nur Gäste aus der Region einlädt, wundert sich niemand. Außerdem sei gesagt, dass zumindest der Brauttisch absolut freigehalten wird. (Wirt zahlen meine Eltern - auch Tradition... aber keine Pflicht) Man kann das "Mahlfrei" aber auch auf die engere Verwandtschaft ausweiten... vor allem wenn sich diese sonst über die "Unverschämtheit" mukieren würde.
Das Mahlgeld bezieht sich auf Essen (Hochzeitsmenü) und Kaffe/Kuchen.
Kuchen kann man aber bei vielen Wirten auch selber mitbringen....
Bei unserer "Halbtageshochzeit" beläuft es sich auf 20 Euro. (Menü mit 3 Gerichten zur Auswahl)
So das wars mit den kleinen Einblicken in die bayerischen Bräuche.
Edit:
jetzt hab ich noch das
"Kranzbinden" vergessen.
Hier wird im Elternhaus der Braut (oder beim gemeinsamen Wohnort des Paares) von den unverheirateten Dirndl des Dorfes ein Kranz an der Tür aufgestellt. Die Kranzbinder stellen diesen dann auf und es gibt einen Umtrunk und einen Imbis für sie.
Dieser Brauch ist wahrscheinlich hauptsächlich üblich, wenn a) in sehr dörflicher Gegend gefeiert wird und b) der Bräutigam gut in die Gemeinde integriert ist und im Optimalfall im Trachtenverein ist / war. Die Kranzbinder kommen auf das Brautpaar zu.
noch ein paar Braeuche:
jeder der geladenen Besucher bekommt ein kleines Gesteck, das von der "Noderin" = Naeherin angefertigt wird. Diese sollte ein Trinkgeld bekommen.
Vor dem Essen geht das Brautpaar (mit den Gaesten vom Brauttisch) in die Kueche, um die Suppe zu probieren. Trinkgeld geben
Normalerweise zieht man mit der Kapelle in den Saal. Die Musiker stehen dann Spalier und erwarten ein Trinkgeld
Hochzeitsschiessen: ein Brauch, der glaube ich ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Um sicherzugehen, dass die Braut nicht verschlaeft, wurde sie mit Boellerschuessen geweckt. Teilweise startete die Schiesserei ab 3.00 Uhr morgens durch die Freunde des Braeutigams. Oftmals kam dann die Polizei, man versteckte sich und schoss dann weiter. War auch meist mit Alkohol verbunden. Der Weckdienst bekam nach getaner Arbeit ein Weisswurstfruehstueck serviert.
vor dem Essen: der Hungertanz
nach dem Essen: das Ehren und Danken
Zeit fuer die Gaeste die Geschenke und Kuverts (fuer Geldgeschenke) abzugeben. Der Progoder (Hochzeitslader) hat fuer jeden Aufgerufenen passende Worte